| Im Frühling folgten zahlreiche Mitglieder der Allgäuer
Schafhalter der Einladung des 1. Vorsitzenden Franz Greber
und seiner Ehefrau Lini, um Ihre neue Schafwoll- Kardiererei
zu besichtigen.
Wollverarbeitung fängt natürlich mit der Schur
des Schafes an.
Vereinsmitglied Bertold Zwerger demonstrierte seine Scherkunst
an farblich verschiedenen Bergschafen. Der erste wichtige
Schritt der Wollverarbeitung ist das sorgfältige Sortieren
der Wolle, erklärte Lini Greber. Will man hochwertige
Wollqualität erreichen, müssen verschmutzte Bauchwolle
oder Stroh mit sehr viel Arbeits- und Zeitaufwand gründlich
entfernt werden. Eine farbliche Sortierung wird ebenfalls
vorgenommen.

Lini Greber erläutert das Sortieren
der Wolle
Ist dies alles geschehen, macht sich Familie Greber mit
vielen Säcken Wolle auf den Weg ins österreichische
Ötztal um in der dortigen Wollwäscherei Ihre Wolle
waschen und wieder trocknen zu lassen. Leider gibt es in
Deutschland keine Wäscherei mehr, eine Alternative
gäbe es noch in Belgien.
Wegen des Volumens wird die frisch gewaschene Wolle in
der Wäscherei stark zusammen gepresst und Fam. Greber
kann sich wieder auf den Heimweg machen.
Als nächstes wird die Wolle durch den sogenannten
„Wolf“ gelassen, eine Maschine, die die Wolle
wieder etwas zerreißt. Jetzt erst beginnt das sogenannte
Kämmen der Wolle, früher oft von Hand gemacht,
übernimmt diese Arbeit heute die Kardiermaschine. Mit
Staunen verfolgten die Allgäuer Schafhalter den Vorgang
an dieser imposanten Maschine. Vorne wird die Rohwolle eingebracht,
wird über Walzen mit vielen Zahnrädern weiter
transportiert und kommt hinten fein gekämmt als fertiges
Vlies wieder zum Vorschein.
Jetzt kann die Wolle gesponnen, gefilzt oder anderweitig
verarbeitet werden.

Kardieren der Wolle
Familie Greber hat sich in den letzten Jahren einen Namen
mit von Hand gefilzten Produkten gemacht. Auf vielen Schafmärkten
und Auktionen sind Sie mit Ihren Filzhüten, Taschen
und anderen netten Assesoires anzutreffen. Die ganze Familie
ist an der Herstellung dieser Produkte beteiligt. Weit im
Umkreis bekannt ist auch Ihr Hofladen „Rund ums Schaf“
mit einem großen Angebot an Waren aus Schafwolle.
Abschließend gab Lini Greber noch einen kleinen Filzkurs
für interessierte Mitglieder der „Allgäuer
Schafhalter“. Und so konnten manche Besucher noch
ein selbst gefilztes Lämmchen mit nach Hause nehmen.

Hüte filzen bei Grebers
Mit Kaffe, Kuchen und der Erkenntnis, wie wertvoll und
vielseitig verwendbar unsere Schafwolle ist, endete dieser
Nachmittag bei Familie Greber.

Jahresausflug der Allgäuer
Schafhalter auf die Schwäbische Alb
Wieder einmal mit vollbesetztem Bus machten
sich die Allgäuer Schafhalter auf den Weg, dieses Jahr
galt es die Schwäbische Alb und die dortige Schafhaltung
zu erkunden.
Als erstes besuchten die Allgäuer den Betrieb von
Dieter Hertler in Deckingen. Die Schäferei ist seit
mehreren Generationen Familientradition. Die gute Zuchtarbeit
ist weit über die Grenzen der Schwäbischen Alb
bekannt. Dieter Hertler beweidet mit seiner mehreren hundert
zählenden Merino Herde große Teile der Nordalb,
teils in Wanderschafhaltung oder auch Koppelhaltung.

Mitbewohner im Schafstall Hertler
Nach der Besichtigung der Stallungen und Wirtschaftsgebäude
führte Dieter Hertler die Allgäuer auf einen höher
gelegenen Teil der Nordalb zu seiner Herde. Die Allgäuer
waren überrascht über diese reizvolle Landschaft
mit Ihren Laubwäldern und Wacholderheiden, die von
den Schafen im Zaum gehalten werden. Ein geplanter Spaziergang
von 200 Metern weitete sich über mehrere Kilometer
aus und die Allgäuer konnten sich nicht satt sehen
an dieser schönen Gegend mit herrlichen Ausblicken
über die Täler der Schwäbischen Alb.

Blick über das Filstal
Dieter Hertler gab viele Informationen über seine
Betriebsführung und über die Planung eines EU-Schlachthauses
und es war wieder einmal festzustellen, dass die Schafhalter
sich überall mit den gleichen Sorgen und Nöten
herumschlagen müssen. Wieder zurück am Hof wurden
die Besucher von Fam. Hertler reichlich bewirtet und machten
sich frisch gestärkt weiter auf den Weg nach Jesingen
zu Familie Sigl, die dort eine Schäferei mit ca 300
Merinos sowie seit dreißig Jahren zusätzlich
eine für die „Alb“ außergewöhnliche
Suffolkzucht ,(englisch, französischer Typ) betreibt.
Familie Sigl bewirtschaftet ca. 60 ha. Grünlandflächen,
darunter auch den Truppenübungsplatz Münsingen.
Herr Sigl berichtete über seine Zuchtarbeit mit den
Suffolks und die Allgäuer konnten sich von ausgezeichneten
Zuchtböcken überzeugen.

Merinoherde Dieter Hertler
Nach dem Mittagessen in Mühlhausen wurden die Allgäuer
Schafhalter von Guido Jakob in Empfang genommen, der im
sogenannten „Goißatäle „ ( Geißental)
im oberen Filstal mit drei anderen Schäfern 2004 eine
Weidegenossenschaft gegründet hat. Zwischen Gruibingen,
Mühlhausen und Wiesensteig pflegen heute ca 2500 Schafe
versch. Rassen und 200 Ziegen von Guido Jakob die Kulturlandschaft.
Offene Wacholderheiden, eine blütenreiche Flora, der
Magerrasen mit Silberdistel, wildem Mayoran und Thymian,
alles Pflanzen die auf einen sonnigen Standort angewiesen
sind, ist der Landschaftspfege der Schafe zu verdanken.
Gilt es der verbuschenden Landschaft wieder ein Stück
abzutrotzen, leisten die Ziegen von Guido Jakob die grobe
Vorarbeit und den Feinschnitt übernehmen 200 graue
gehörnte Heidschnucken, die für Ihre Genügsamkeit
bekannt sind.

Burenziegen von Guido Jakob
Durch gute Zusammenarbeit der Weidegemeinschaft mit den
Gemeinden und Gastronomen des oberen Filstales, bietet sich
eine gute Möglichkeit die Produkte der Schafhaltung
in der Öffentlichkeit zu präsentieren und zu vermarkten.
Schäfer Jakob hat sich eine Nische zum Überleben
gesucht: statt des üblichen Merino Landschafes hat
er sich Heidschnucken und Ziegen angeschafft. Erfolgreich
bringt er seine Heidschnucken- und Ziegenprodukte, von deren
Qualität sich die Allgäuer Schafhalter überzeugen
konnten, in „Jakobs Lädle“ in Mühlhausen
an seine Kundschaft.
Nach reichlicher Bewirtung von Fam. Jakob und beeindruckt
von dem Projekt der Weidegemeinschaft im Geißental
machten sich die Allgäuer Schafhalter wieder auf die
Heimreise.

Familie Hertler und Franz Greber

Franz Greber und Guido Jakob
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